A71 - Untersuchungen zum LBP - Teil Moose und Flechten -
Abschnitt Suhl bis Zella-Mehlis (Nord) - VKE 5316/17
Dipl.-Biol. Hans-Georg Widmann, Zella-Mehlis, 26.9.95


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Links: Bechertal - ein weiteres Nebental des Lubenbachtals

Postkarten-Idylle aus dem letzten Jahrhundert.

Auf den Fels-Köpfen hoch über dem Bechertal fanden wir sehr seltene und empfindliche Moose und Flechten. Schieben Sie die Maus auf das Bild - das hätte auch passieren können: eine Autobahnbrücke quer übers Tal.

Wie gut, dass es Moose und Flechten gibt.

Zusammenfassung Flechten

Hinweisen aus der Bevölkerung nachgehend wurden im Juli 1994 die Flechtenflora auf den Felsköpfen Bärenstein und Bechersteine beim Bahnhof Oberhof, auf einer BlocksBlocksBlocksBlockschutthalde uuund einem Steinbruch im Lubenbachtal sowie im Lubenbach (Pfanntal) und Flößgraben erfaßt. Die Flechtenflora des Untersuchungsraumes, insbesondere der Felsköpfe, erweist sich als außerordentlich arten- und individuenreich.

Insgesamt konnten 64 Arten nachgewiesen werden, davon allein 51 Arten auf den Felsköpfen bei Oberhof - Bahnhof. 37,5% bis 54,5% aller Arten der Felsköpfe sind in Thüringen als gefährdet eingestuft. Von besonderer Bedeutung ist hierbei der Becherstein mit zwei stark gefährdeten Arten (Stereocaulon condensatum und Leprocaulon microscopicum) und der alte Steinbruch im Lubenbachtal mit einer verschollenen Art (Rote Liste 0: Schaereria fuscocinerea). Die hohe Wasserqualität des Lubenbaches wird durch den Fund zweier Hydroverrucaria-Arten (Verrucaria funckii und V. margacea) angezeigt.

Aufgrund des langsamen Wachstums der Flechten und der besonders großen Anfälligkeit gegen- über Kfz-Immissionen und anderen Luftschadstoffen (Flechten sind in Thüringen die am stärksten geschädigte Pflanzengruppe) ist die Flechtenflora im Lubenbachtal, insbesondere beim Bahnhof Oberhof, durch den geplanten Bau der BAB A 71 hochgradig gefährdet und das Konfliktpotential extrem hoch.

Unten: Hoch über dam Bahnhof Oberhof: Felsen mit Aussichtspunkt.

Auch hier konnten seltene Flechten nachgewiesen werden. Der Felsen wird vergrößert, wenn Sie mit der Maus draufzeigen.

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Foto unten: Seltene Moose und Flechten auch in den Fließgewässern

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Zusammenfassung Moose

Im Lubenbachtal bei Zella-Mehlis wurde die Moosflora der Felsköpfe, Steinbrüche und Gewässer untersucht. Insgesamt wurden 71 Arten registriert. Als besonders artenreich erwiesen sich die aus Quarzporphyr bestehenden exponierten Felsköpfe mit 42 Arten, von denen allein 32 auf den „Bechersteinen“ vorkommen. Hohe Anteile an Arten der Roten Liste wurden bei den Gewässern festgestellt, wobei besonders die Quellbereiche und Oberläufe des Lubenbaches und seiner Zuflüsse hervorzuheben sind. Die ausgesprochen artenreiche Moosvegetation der Felsen mit ihren einmaligen Reliktvorkommen ist demnach bei einer Verschlechterung der Luftqualität als besonders gefährdet anzusehen. Auch die Gewässer dürften durch den Eintrag von Schadstoffen beeinflußt werden. So muß für deren Moosflora und vor allem für die vielen Rote-Liste-Arten, die meist auf sehr gute Wasserqualität angewiesen sind, langfristig ein Rückgang befürchtet werden.

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