Pflege/Entwicklung Gehölzpflege (4/5) Waldränder/Bachgehölze
schmaler Waldrand mit Saum

Waldmantel mit schmalem Krautsaum

Stufen der Vielfalt

Waldränder sind Übergangszonen zwischen kleinklimatisch unterschiedlichen und eng verzahnten Lebensräumen. Auf kleinstem Raum können daher die verschiedensten Tier- und Pflanzenarten nebeneinander existieren, was sich im Artenreichtum zeigt. Ein naturnah und vollständig ausgebildeter Waldrand besteht von innen nach außen aus 4 unterschiedlichen Einheiten: dem (Laub-)Wald selbst, einem Saum aus Gehölzen, einem Saum aus Kräutern und der angrenzenden Wald-Vegetation.

Bachgehölze können, vor allem wenn Sie breiter ausgebildet sind, als wichtiger Schutz vor Immissionen jeglicher Art, also auch Lärm und optischen Störungen dienen. AAuenlebensräume sind Rückzugsgebiet für die verschiedensten Tierarten. Ein dichter Gehölzmantel mindert die Störungen aus den angrenzenden Nutzungen. Im dunklen, feuchten Klima der Aue gedeihen teilweise recht anspruchsvolle Pflanzenarten.

Gefährdung und Pflegeziel

Gestufte Waldränder sind in unserer Kulturlandschaft äußerst selten anzutreffen. Meist grenzt der Wald direkt an Straßen oder landwirtschaftlich genutzte Flächen an. Auch Gehölzbeständen an Fließgewässern wird nur selten genügend Platz für eine naturnahe Entwicklung zugestanden. Deshalb sind in Baden-Württemberg alle naturnahen Auengehölze, auch schmale Galeriegehölze durch den §32 NatSchG geschützt. Naturnahe Fließgewässer und deren Krautsäume sind ebenfalls geschützt. Viele Auen der größeren Flüsse in Baden-Württemberg sind als Natura-2000-Gebiete erfasst.

Ziel ist der Aufbau und Erhalt eines reichstukturierten Waldmantels bzw. eine gestuften Gehölzes entlang der Gewässer. Wo noch kein abgestufter Gehölzmantel vorhanden ist, werden durch die Natur selbst die entsprechenden Stukturen geschaffen.

Bachgehölz schmal

Röhricht und Staudenfluren in einem viel zu schmalen Bachgehölzstreifen entlang der Straße.

Bachgehölz breit

Fast schon ideal: ausgedehnte Sukzessionsfläche zwischen Straße und Bachgehölz

nicht mähen!Bäume entfernen

Pflegemaßnahmen

Pflegemaßnahmen sind meist nicht erforderlich. Insbesondere sind Mähtätigkeiten soweit wie möglich zu unterlassen.

Die Gehölzpflege und -läuterung darf nur punktuell und nur bei wenn es zwingend erforderlich erscheint im Winterhalbjahr durchgeführt werden. Dabei werden einzelne Bäume dem Bestand entnommen. Es ist besser, einen Baum vollständig zu entfernen und so die Naturverjüngung zu unterstützen, als dem Stamm aufzuasten.

gestufter Waldrand

sehr schön gestufter Waldmantel

Weitere Hinweise

Der Waldrand im Bild links ist ein Beispiel für einen besonders schönen, stufenartig aufgebauten Waldmantel, der alle notwendigen Elemente beinhaltet: Von der Straße beginnend ist eine Intensivzone vorhanden (der Sicherheitsbereich, entspricht der angrenzenden Nutzung). In diesem Bereich sind nur relativ wenige Pflanzen vorhanden, insbesondere solche, die im angrenzenden Saumbereich zu finden sind. In der nun anschließenden Zone sind mehrjährige Kräuter anzutreffen, die in der Regel eine intensive Mähtätigkeit nicht überleben würden. Hierzu gehört z.B. das Küchengewürz Oregano (Wilder Majoran) welcher im Spätsommer die gesamte Böschung lila färbt. Dazwischen sind Thymian und einige Habichtskräuter bemerkenswert.

In diese Fläche sind bereits schon einige Büsche eingewandert, so z.B. der Besenginster, der dann mit Schlehe oder Hartriegel zu dem angrenzenden Wald bzw. Feldgehölz vermittelt. Erst in der dritten Zone ist dieser Gehölzsaum dicht geschlossen. Die vierte Stufe ist schließlich der angrenzende Wald. In dieser Abfolge können zahlreiche Tiere ihren Lebensraum finden. Ob im Gras, auf der Blüte, im Gebüsch oder auf dem hohen Baum, im Trockenen oder Feuchten, im Hellen oder Dunklen: für fast alle ökologischen Anspruchstypen ist hier ein Lebensraum vorhanden.

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